Wie Menschen die Welt bewegen




Rolf Stahlhofen (Gründer, Water Is Right) im Seventeen Goals Magazin


Text: Clementine Kuckei


Wasser aus dem Hahn zu trinken ist für Rolf Stahlhofen, Mitgründer der Söhne Mannheims, nicht selbstverständlich. Mit seiner Stiftung Water is Right setzt er sich für das Recht auf Wasser ein.


Sie kostete Milliarden Euro und 21 Menschen das Leben: die Elbeflut im August 2002. Die schwerste Naturkatastrophe im Osten Deutschlands; und Stahlhofen stand in Halle an der Saale auf der Bühne, als die Dämme brachen. Ein vorbeischwimmendes Haus im Fluss gab den Anstoß zu helfen. Er rief Künstler zusammen, organisierte eine Bühne in Mannheim, Hotels, Verpflegung und gründete den Verein Menschen am Fluss.


Zehn Tage später rockten Peter Maffay, Udo Lindenberg, die Fantastischen Vier, Otto Waalkes, BAP, Söhne Mannheims und weitere Freunde. Sie spielten eine Million Euro für den Wiederaufbau ein. Für Stahlhofen war das ein Aha-Erlebnis:

"An diesem Punkt wurde mir bewusst, dass man mit einem WIR viel mehr bewegen kann als alleine. Und die Kraft der Musik hilft dabei, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Besuch im Kibera Slum im Südwesten von Nairobi


Drei Jahre später, 2005, bat die Stadt Mannheim den Musiker, ein Benefiz-Konzert anlässlich der Eröffnung der SAP-Arena zu organisieren. Aus den Erlösen konnten Solarwasserpumpen für sieben Städte in Eritrea finanziert werden. Auf sein Engagement, Konzerte und Auftrittezu nutzen, um weltweit Gutes zu bewirken, wurde die Organisation der Vereinten Nationen, UN-Habitat, aufmerksam und ernannte Stahlhofen zum Messenger of Truth on Water – der erste und bislang einzige in Europa.


Vom Musiker zum Stifter: Die Water is Right Stiftung


2011 beschloss der Sohn Mannheims, aus einem Teil der Konzerterlöse die Stiftung Water is Right, kurz WIR genannt, zu gründen, die seitdem Projekte in 10 Ländern realisiert und für drei Millionen Menschen Zugang zu sauberem und bezahlbarem Trinkwasser sichergestellt hat. Mit Unterstützung der Udo-Lindenberg-Stiftung gelang es Stahlhofen beispielsweise, dass über ein Stiftungsprojekt in einer Schule in Mombasa die Wasserpreise in einer ganzen Stadt gesenkt wurden.


Der Grund dafür ist klein, kompakt, autark und einfach zu bedienen: die Water-Box der deutschen Firma Lavaris. Eine Aufbereitungsanlage, die es schafft, 28.000 Liter Wasser in Trinkwasser nach deutschem Qualitätsstandard umzuwandeln und damit circa 2.000 Menschen täglich zu versorgen. Kostete der Liter Wasser in Mombasa bis dahin 30 Schilling, so schrumpfte der Preis durch die Water-Box auf acht Schilling.


Jeder kann mit Wasser bewusster umgehen

„Aber bei all den Charity-Konzerten, die ich spielte, wurde mir klar, dass Musik zwar im Kleinen wirkt, wir Großes aber nur mit starken Partnern bewirken können“

erklärte Rolf Stahlhofen im Oktober 2019 auf dem Urban Thinkers Campus in Mannheim. So nahm er den Müll von Millionen Einwegflaschen auf Festivals zum Anlass, das Mannheimer Unternehmen Röchling dazu zu bringen, wiederverwendbare Flaschen zu produzieren, die an Wasser-Zapfsäulen immer wieder aufgefüllt werden können. Das größte Heavy-Metal-Festival in Wacken mit 85.000 Besuchern unterstützte diese Aktion bereits.


„In Mannheim wurde das Auto erfunden, das Fahrrad, der Traktor, Spaghetti-Eis und es wird Zeit, dass ein neues weltbewegendes Model aus Mannheim kommt“, so der Musiker. Die Rechnung ist einfach: Wenn der Liter hier einen Euro kostet, können woanders zehn Menschen mittrinken.


Zugang zu Wasser muss für alle gesichert sein


„An der Art, wie Wasser konsumiert wird, muss sich etwas verändern, es muss gerechter verteilt werden.“ Dort, wo Menschen mehr Geld haben, dürfe Wasser ruhig einen höheren Preis haben, ist Stahlhofen überzeugt. „Damit für diejenigen, für die bezahlbar gleich Null ist, der Zugang zu sauberem Trinkwasser gesichert ist.“


Stahlhofen wird deutlich, wenn er sagt, dass er keine Lust mehr habe, erfolgreiche Leute kennenzulernen – er wolle nur noch erfolgreiche Leute kennenlernen, die etwas bewegen wollen und resümiert: „Wenn ich es schaffen kann, mit ganz wenig Mitteln und jedem zehnten Konzert, das ich spiele, für Millionen Menschen Trinkwasserprojekte zu realisieren, dann denke ich, dass die richtigen Leute, zusammengebracht im ‚Wir‘, vielleicht 100 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen werden können.“

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